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Cameron Carpenter in Kooperation mit MagentaMusik 360

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Cameron Carpenter, Orgel

Cameron Carpenter

Orgel

Hinter den Kulissen der Produktion mit Cameron Carpenter beim Rheingau Musik Festival 2020: Zu sehen ist der Spieltisch der einmaligen International Touring Organ, die Carpenter selbst mitentwickelt hat.

Interpret

Cameron Carpenter Orgel

Programm

Louis Vierne (1870 - 1937) Toccata b-Moll Nr. 6 aus Pièces de Fantaisie op. 53 (ca. 4’)

Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) Präludium A-Dur BWV 536 (ca. 2’)

Johann Sebastian Bach Fantasia super: „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“ BWV 651 (ca. 5’)

Sir Alfred Herbert Brewer (1865 - 1928) Marche Hèroïque (ca. 6’)

Johann Sebastian Bach Präludium und Fuge e-Moll BWV 548 (ca. 13’)

Edward MacDowell (1860 - 1908) „Virtuoso Sketch“ (arr. Cameron Carpenter) (ca. 2’)

César Franck (1822 - 1890) Choral Nr. 2 h-Moll FWV 39 (ca. 14’)

Louis Vierne „Naïades“ Nr. 4 aus Pièces de Fantaisie op. 55 (ca. 5’)

Richard Wagner (1813 - 1883) „Die Meistersinger von Nürnberg“ WWV 96: Vorspiel zum 1. Akt (arr. Cameron Carpenter) (ca. 12’)

Cameron Carpenter

Orgel

Mit seiner außergewöhnlichen Musikalität, einer nahezu grenzenlosen technischen Fertigkeit und seinem Pioniergeist hinterlässt Cameron Carpenter bereits Spuren in der neueren Musikgeschichte. Seit der Fertigstellung der International Touring Organ (ITO) im Jahr 2014 spielt Carpenter nunmehr fast ausschließlich, ob Rezitale oder mit Orchester, auf seinem nach eigenen Plänen gefertigten Instrument.

Erste eigene Kompositionen und Arrangements entstanden während Carpenters Zeit an der University of North Carolina School of the Arts sowie der Juilliard School New York. 2011 wurde sein Konzert für Orchester und Orgel „Der Skandal“, ein Auftragswerk der Kölner Philharmonie, mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen uraufgeführt. 2012 erhielt er den Leonard Bernstein Award des Schleswig-Holstein Musik Festivals.

2019 erschien bei Sony Classical Carpenters Einspielung seiner Bearbeitung der „Paganini-Variationen“ von Sergei Rachmaninow sowie Francis Poulencs Orgelkonzert mit dem Konzerthausorchester Berlin unter Christoph Eschenbach. Als erster Organist überhaupt wurde Cameron Carpenter für sein Album „Revolutionary“ (2008, Telarc) für einen Grammy nominiert.

The International Touring Organ

Die International Touring Organ wurde 2013 von Cameron Carpenter als Opus 8 bei den amerikanischen Orgelbauern Marshall & Ogletree in Auftrag gegeben. Die Idee dahinter ist einfach: die Beziehung zwischen Orgel und Organist neu zu gestalten. Während die Einzigartigkeit jeder Orgel zwar auch ihre Magie ausmacht, ist es gleichzeitig für einen Organisten unmöglich, mit seinem eigenen Instrument Konzerte zu geben und um die Welt zu reisen.

Vor diesem Hintergrund haben Marshall & Ogletree gemeinsam mit Carpenter die International Touring Organ entwickelt, für die sie Klänge von vielen traditionellen Pfeifenorgeln gesampelt haben, darunter viele von Carpenters Lieblingsinstrumenten. All diese Klänge kommen hier in einer Orgel zusammen, die nicht auf Größe, grenzenlose Vielfalt oder die Modellierung einer bestimmten Pfeifenorgel ausgelegt ist, sondern vielmehr dafür gebaut wurde, eine Orgel mobil zu machen. Besonders ausgefallen sind der Spieltisch und ihr umfangreiches Tournee-Soundsystem. Diese gewährleisten die Beständigkeit des Orgelklangs von Ort zu Ort. Die International Touring Organ wird in mobilen, an den Standort anpassbaren Tourneecases untergebracht. Der Orgelspieltisch wird manuell und hydraulisch aus nur sechs modularen Teilen zusammengebaut.

Asbachgasse Rüdesheim

Zum allerersten Mal hüllt das Rheingau Musik Festival die Alten Lagerhallen in der Asbachgasse in Musik! 2015 übernahm die Familie Wendel den als Asbachgasse bekannten Teil des ehemaligen Firmensitzes von Asbach-Uralt. Damit kam wieder Leben auf das alte Werksgelände.

Die Familie nutzt die Räumlichkeiten als Restaurierungs-Werkstätten von Siegfrieds Mechanischem Musikkabinett. Im ehemaligen Tanklager hat die RheinWeinWelt ihren Platz gefunden. Gleich daneben betreibt Annemarie Wendel ihre Boddelbar. Hier finden Konzerte, Lesungen, Kabarett- und Comedyabende statt. Für die Zukunft gibt es große Pläne. Das ehemalige Asbachgelände soll ein Event- und Kulturgelände für die Stadt Rüdesheim und ihre Bewohner werden.

Werke von Sir Alfred Herbert Brewer und Louis Vierne

Sir Alfred Herbert Brewer ist nicht nur Zeitgenosse von Sir Edward Elgar, sondern auch Freund und Bewunderer des englischen Spätromantikers. So tragen viele von Brewers Werken Elgar’sche Züge, etwa auch sein bekanntestes Werk, der „Marche Hèroïque“ für Orgel.

Als französischer Organist und Komponist hat sich Louis Vierne – ebenfalls Zeitgenosse von Brewer und Elgar sowie Schüler von César Franck – in Paris einen Namen gemacht. Zahlreiche konzertante Orgelwerke stammen aus seiner Feder. Neben seinen sechs Orgelsinfonien zählen seine Pièces de Fantaisie, eine Sammlung aus 24 kürzeren Stücken in vier Büchern, zu den beliebtesten Werken des Komponisten. Zur Zeit der Entstehung dieser Werke 1926/27 steht Vierne auf dem Höhepunkt seines Schaffens. In den 24 Stücken erkennt man klar seinen persönlichen Stil, der sich durch Chromatik, das Ausloten der Grenzen der Tonalität und kraftvolle Dynamik auszeichnet. Thematisch drehen sich einige Stücke der Pièces de Fantaisie um die Bereiche Mensch und Natur und weisen, wie etwa „Naïades“, einen programmatisch-impressionistischen Charakter auf. Andere, wie etwa die Toccata, bewegen sich dagegen eher in tradierten Formen und zeichnen sich durch einen hohen Grad an Virtuosität aus.

Fotografie von Louis Vierne an der Orgel in Saint-Nicolas-du-Chardonnet in Paris (1927)

Werke von Johann Sebastian Bach

Alle Ohrenzeugenberichte vom Organisten Johann Sebastian Bach lassen nur einen Schluss zu: Mit seiner Kunst versetzte er das Publikum regelmäßig in absolutes Staunen! Dabei strebte er nach neuen Ausdrucksmitteln, nach Orgelmusik, die über längere Strecken spannend und virtuos bleibt, ohne auf kurzlebige Kontrasteffekte auszuweichen. Zieht Cameron Carpenter musikalisch stets alle Register, so kommt auch er selbstverständlich nicht am Alpha und Omega des Orgelrepertoires vorbei – sein Solo-Rezital ist durchsetzt von Werken, die Bachs Gedankenreichtum, seine kühne Kontrapunktik, himmelstürmende Imposanz und nicht zuletzt auch seine spieltechnischen Extravaganzen widerspiegeln.

Im Präludium e-Moll BWV 548 nutzte Bach den italienischen Konzertsatz mit seinen Ritornellen, um einen monumentalen Satz entstehen zu lassen. Die eingangs vorgestellten Rhythmen und Themen kehren im Satzverlauf in Teilen, am Ende fast komplett wieder und werden von weniger mächtigen Zwischenspielen unterbrochen. Auch die anschließende Fuge e-Moll BWV 548 ist ungewöhnlich gebaut: Ihr Eingangsteil, in dem das chromatisch auseinanderstrebende Thema ausführlich verarbeitet wird, kehrt als Schlussteil wörtlich wieder; dazwischen erklingt ein Satz, der das Thema zitiert, aber hauptsächlich virtuoser Entfaltung dient. Aus der Weimarer Zeit stammt das stolz dahinfließende Präludium A-Dur BWV 536. In seinen Choralbearbeitungen ging Bach traditionellere Wege, doch fällt auf, dass er der Choralmelodie gern gesteigerten Ausdruck verlieh, so auch in „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“ BWV 651.

Autograph der ersten Seite aus Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge e-Moll BWV 548

César Franck: Choral Nr. 2 h-Moll FWV 39

Er gilt als einer der bedeutendsten Organisten und Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: César Franck. Nach seinem Orgel- und Kontrapunktstudium in Lüttich und Paris tritt Franck verschiedene Stellen als Organist an und erhält 1872 eine Stelle als Professor für Orgel am Pariser Konservatorium. So liegt es nahe, dass Franck sich auch in seinem kompositorischen Schaffen in besonderem Maße mit diesem Instrument – vor allem der Konzertorgel – beschäftigt.

Neben seinen bekannten Six pièces pour grand orgue weisen auch die Trois chorals pour grand orgue aus Francks Todesjahr 1890 einen hohen Beliebtheitsgrad auf. Vielen gelten sie als sein Vermächtnis. Zwar begann er die Arbeit an diesen drei Werken vermutlich bereits im Jahr 1889, doch die Fertigstellung zog sich bis in den Herbst 1890 hin. Im Gegensatz zu traditionellen Choralbearbeitungen basieren diese drei Werke nicht auf liturgischen Hymnen, sondern auf frei erfundenen Choralmelodien. Majestätisch, aber vor allem innig und mystisch schreitet die Musik des zweiten vierteiligen Chorals in h-Moll dahin, meisterhaft spielt Franck mit dem Choralthema, lässt es als Fuge erklingen, zwischen Achtel- und Sechzehntelläufen aufblitzen und wendet es gegen Ende in ein freundliches H-Dur.

César Franck an der Orgel der Pariser Staint-Clotilde Basilica (1885)

Arrangements von Cameron Carpenter

Zu den von Cameron Carpenter bewunderten Komponisten zählt auch Richard Wagner. Von ihm hat er ein Orchesterwerk für Orgel bearbeitet: das Vorspiel zur Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“, uraufgeführt am 21. Juni 1868 im Königlichen Hof- und Nationaltheater München. Bereits 1845 hatte Wagner erste Skizzen zu den „Meistersingern“ geschrieben. Von dem Entwurf einer komischen Oper über die Meistersinger sprach er dann allerdings erst wieder 1851. Nochmals zehn Jahre später, 1861, kündigte er dem Verleger Schott eine komische Oper an. Im April 1862 skizzierte Wagner schließlich das Opernvorspiel, das in Partitur im Juni fertig war. Dennoch kam Wagner, gebeutelt von Geldsorgen und Schulden, mit der Komposition nicht voran. Noch bis 1866 arbeitete er am ersten Akt. Im Oktober 1867 beendete er die Partitur.

Nach dem chromatisch ausufernden „Tristan“, dem „Nachtstück“, wollte Wagner ein helles, unkompliziertes „Tagstück“ liefern. Als der Handlungsrahmen weitgehend abgesteckt war, stellte er mit dem Verfassen des Vorspiels auch musikalisch die Weichen. Die wesentlichen Szenen der Oper sind bereits im Vorspiel angelegt: Nach anfänglicher Festwiesenatmosphäre wird die Tonsprache milder, erzählt vage von zarten Gefühlen und Liebeswerben, dann geht es mit viel Schwung zum Schlusstableau der Oper. Der Edelmann Walther von Stolzing darf seine Eva heiraten und wird in die Gilde der Meistersinger aufgenommen. „Verachtet mir die Meister nicht“, singt der Schuhmacher und Meistersinger Hans Sachs in der Schlussansprache, „und ehrt mir ihre Kunst“. Das gilt ganz sicher auch für die Kunst von Cameron Carpenter, Orchestermusik stilsicher und effektvoll auf die Orgel zu übertragen. In eigener Bearbeitung spielt er außerdem den „Virtuoso Sketch“ von Edward MacDowell.

Szene aus Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“: Eva, die Tochter des reichen Goldschmieds Veit Pogner, überreicht den Lorbeerkranz.

Konzertgenuss vor malerischer Kulisse

Das Rheingau Musik Festival zählt zu den größten Musikfestivals Europas und veranstaltet Jahr für Jahr rund 150 Konzerte in der gesamten Region – von Frankfurt über Wiesbaden bis zum Mittelrheintal. Einmalige Kulturdenkmäler wie Kloster Eberbach, Schloss Johannisberg, Schloss Vollrads und das Kurhaus Wiesbaden sowie lauschige Weingüter verwandeln sich jeden Sommer in Konzertbühnen für Nachwuchskünstler und Stars der internationalen Musikszene von Klassik über Jazz bis hin zu Kabarett und Weltmusik.

Herausgeber und Veranstalter

Konzertstream des Rheingau Musik Festivals in Kooperation mit MagentaMusik 360, das Musikportal der Telekom Deutschland GmbH

Rheingau Musik Festival Konzertgesellschaft mbH, Rheinallee 1, 65375 Oestrich-Winkel

www.rheingau-musik-festival.de, info@rheingau-musik-festival.de

Intendant und Geschäftsführer (Vors.) Michael Herrmann

Geschäftsführer Marsilius Graf von Ingelheim

Impressum

Redaktion und Texte Theresa Awiszus, Fenja Fieweger, Markus Treier

Gestaltung Q Kreativgesellschaft, Wiesbaden

Fotocredits Titel Cameron Carpenter © Thomas Grube | Produktion-Impression © Rheingau Musik Festival | Tür © Rheingau Musik Festival | Biographie Cameron Carpenter © Heiko Laschitzki | International Touring Organ © Rheingau Musik Festival | Asbachgasse © Hannah Meinhardt | Rheingau-Impression © Sabine Siemon | Kamera-Impression © iStock