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Mélanie Verdon ANQ-QualitätsausscHuss Akutsomatik - Prävalenzmessung

Porträt

Mélanie Verdon, Verantwortliche Pflegefachfrau für Forschung und Pflegequalität, Pflegedirektion, Universitätsspital Genf HUG

Mélanie Verdon, Sie sind Mitglied des ANQ-Qualitätsausschusses Sturz und Dekubitus (QA Prävalenzmessung). Seit wann engagieren Sie sich in diesem Gremium?

Der ANQ-Vorstand hat mich 2019 in den QA Prävalenzmessung gewählt. Ich trat damit die Nachfolge meiner Arbeitskollegin an, die das HUG viele Jahre im QA vertreten hat. Mein Fachgebiet ist die Intensivpflege, die Dekubitus-Thematik hat mich aber stets begleitet und war auch Gegenstand meiner Masterarbeit in Pflegewissenschaft. Das ANQ-Engagement erlaubt mir, mich erneut vertieft mit den spezifischen Fragestellungen auseinanderzusetzen.

Was ist Ihnen bei diesem Engagement wichtig?

Damit nationale Gremien gute Entscheidungen fällen können, müssen alle Landesteile darin vertreten sein. Davon bin ich überzeugt. Ich sehe es deshalb als meine Aufgabe an, der «etwas anderen Stimme aus der Westschweiz» Gehör zu verschaffen. Auch ist es mir wichtig, den grossen Stellenwert der Pflegenden sichtbarer zu machen. Die Prävalenzmessung zeigt, wie zentral die Pflege für die Qualität eines Spitals ist.

«Die Pflege ist zentral für die Qualität eines Spitals.»

Haben Sie selber auch einen Nutzen von der Mitarbeit im ANQ-Gremium?

Die Vernetzung mit den QA-Mitgliedern erlebe ich als sehr wertvoll. In den Diskussionen stellen wir immer wieder spannende Unterschiede fest, etwa in Bezug auf Organisation, Arbeitsweise, Infrastruktur oder ökonomische und politische Rahmenbedingungen. Als Vertreterin einer universitären Einrichtung spreche ich auch Fragestellungen an, die sich von denen anderer Institutionen unterscheiden. Diese Vielfalt ermöglicht einen bereichernden Erfahrungsaustausch.

«Die Vielfalt im ANQ-Gremium ermöglicht einen bereichernden Erfahrungsaustausch.»

Welche Schwerpunkte setzte der QA Prävalenzmessung im Jahr 2020?

Wegen der Corona-Pandemie war dieses Jahr vieles anders. So musste beispielsweise eine QA-Sitzung online stattfinden. Schwerpunkte waren auch in diesem Jahr die Organisation des Messtags – der wegen Corona leider kurzfristig abgesagt werden musste – sowie die Auswertung und Publikation der Messergebnisse 2019. Wir beschäftigten uns auch mit der künftigen Weiterentwicklung der Messung. Zu den zentralen Themen gehörten die bessere Nutzung von Routinedaten sowie der Datenschutz.

Welche Bedeutung hat die Prävalenzmessung für das HUG?

Eine sehr hohe – das sieht man auch an den personellen Ressourcen. Am Messtag sind jeweils über 100 diplomierte Pflegefachleute und Kadermitarbeitende im Einsatz. Wäre die Messung 2020 nicht abgesagt worden, hätten wir sie in 65 Pflegestationen mit über 1'000 Betten durchgeführt. Unsere Messverantwortliche startet jeweils im Frühling mit den Vorbereitungen. Dazu gehört nicht nur die Rekrutierung und Schulung der Pflegenden sondern zum Beispiel auch die mehrsprachige Information der Patientinnen und Patienten.

2020 publizierte der ANQ die Dekubitus- und Sturzraten 2019. Wie nutzen Sie den Nationalen Vergleichsbericht?

Als QA-Mitglied achte ich auf das Gesamtbild. Unsere Messverantwortliche am HUG interessiert sich dagegen vor allem für die klinikspezifischen Ergebnisse und – als Vergleichswerte – für die Raten der anderen Universitätsspitäler. Die Ergebnisse geben wichtige Impulse – zum Teil bestärken sie uns in den bereits eingeleiteten Massnahmen, zum Teil stossen sie neue Initiativen an.

Wie sollten sich die Messungen in Zukunft entwickeln?

Mit unserer Messverantwortlichen habe ich kürzlich darüber diskutiert, dass neben der Ergebnisqualität auch die Prozessqualität vermehrt in den Fokus rücken sollte. Die Prävalenzmessung ist Voraussetzung für jede Qualitätsentwicklung. Auch ist es gelungen, die Zeitspanne zwischen Messtag und Ergebnispublikation zu verkürzen. Doch am Ende zählt vor allem, was die Institutionen aus den Ergebnissen machen respektive welche Massnahmen sie umsetzen.

«Entscheidend ist, was die Institutionen aus den Ergebnissen machen respektive welche Massnahmen sie umsetzen.»

Mélanie Verdon arbeitete nach ihrer Ausbildung zur Pflegefachfrau in verschiedenen Westschweizer Institutionen, bevor sie sich auf die Intensivpflege spezialisierte. 2021 feiert sie ihr 20-jähriges Jubiläum am HUG. Heute ist sie verantwortliche Pflegefachfrau für Forschung und Pflegequalität in der Pflegedirektion des Universitätsspitals. Sie hat einen Master-Abschluss in Pflege und doktoriert in Pflegewissenschaft. 2020 kehrte sie mehrere Monate auf die Intensivstation zurück, um einen Beitrag an die Pflege von Covid-19-Erkrankten zu leisten.

Bilder: © Geri Krischker / ANQ