Ein neues Meer-Wunder Die Reederei MSC lässt in den kommenden Jahren elf neue Kreuzfahrtschiffe bauen. In Saint-Nazaire entsteht zurzeit die "MSC Meraviglia", auf der Anfang Juni die "Päischtcroisière 2017" stattfindet.

Meraviglia ist ein italienisches Wort und bedeutet soviel wie "Wunder". Meraviglia ist auch der Name eines neuen Schiffs, das zurzeit in der STX-Werft in Saint-Nazaire an der französischen Atlantik-Küste gebaut wird. Auf diesem neuen Meer-Wunder ist Platz für rund 5700 Passagiere. Anfang Juni bricht das „Schiff der neuen Generation“ von Le Havre aus zu seiner Jungfernfahrt auf. An Bord werden auch die Teilnehmer an der „Päischtcroisière 2017“ sein.

VON FERN MORBACH

So wird die Meraviglia aussehen, wenn sie Ende Mai an die Reederei MSC ausgeliefert wird. Im Sommer wird das Schiff im Mittelmeer unterwegs sein.

Ein Besuch an Bord des neuen Schiffes

MSC hat ein aufwändiges Werbe-Video über das Schiff produziert. Hier können Sie es anschauen!

In der STX-Werft an der französischen Atlantik-Küste gehen Anfang 2017 die Arbeiten an der MSC Meraviglia in die letzte Runde. „Wir haben drei Wochen Vorsprung auf den Zeitplan“, sagt Bertrand de Charlat von STX, während er mit Sicherheitshelmen und Sicherheitsbrillen ausgestattete Besucher auf das oberste Deck begleitet.

Die Reederei MSC hat italienische Wurzeln. Ihre Gründer verdienten mit Containerschiffen viel Geld, bauten sich in den vergangenen Jahrzehnten aber mit Passagier-Kreuzfahrten ein neues Standbein auf. In Luxemburg ist das Familienunternehmen MSC bestens bekannt – vor allem wegen der „Päischtcroisière“ und wegen der „Summercroisière“, die seit Jahren auf MSC-Schiffen stattfinden.

Heute, darauf legt man bei MSC Wert, sei man eine „europäische Reederei“ – und obendrein Marktführer in Europa, Südamerika und Südafrika! „Unser Unternehmen hat 300 Jahre lang Erfahrung auf See gesammelt, heute besitzen wir die modernste Schiffsflotte“, unterstreicht Patrick Pourbaix, der für den französischen, den belgischen und den luxemburgischen Markt zuständige Direktor von MSC.

Monatelang haben bis zu 600 Ingenieure und Designer an den Plänen für das neue Schiff gearbeitet.

Saint-Nazaire kann überleben

Nach Saint-Nazaire hat MSC ein Stück Zukunft zurückgebracht. Lange Zeit sah es schlecht aus für die traditionsreiche Werft, Aufträge waren ausgeblieben, die Konkurrenz – vor allem aus Asien – vermieste das Geschäft. Dann aber holte MSC zum großen Schlag aus. Die Reederei lässt in den kommenden zehn Jahren – zwischen 2017 und 2026 – in Saint-Nazaire elf weitere Kreuzfahrtschiffe bauen und investiert in dieser Zeit die Kleinigkeit von neun Milliarden Euro.

Die Zahl der Schiffe und die enorme Geldsumme stehen vor allem für eines: für den Glauben an einen anhaltenden Aufschwung der seit Jahren rasant wachsenden Kreuzfahrtindustrie. 2015 stachen bereits 1,7 Millionen Passagiere auf Schiffen von MSC in See. Diese Zahlen werden in den kommenden Jahren schnell, sehr schnell wachsen. Bis 2026 werden insgesamt 20 MSC-Schiffe in Saint-Nazaire gebaut worden sein. Auch Patrick Pourbaix gibt sich zuversichtlich. Er will erkannt haben, dass schon heute für rund die Hälfte der Kreuzfahrtenteilnehmer das Schiff das eigentliche Ziel der Reise ist. Nicht mehr die Routen sind für diese Kunden das wichtigste, sondern die Schiffe.

Die MSC Meraviglia besteht aus 300000 Einzelteilen, ein Teil des Stahls stammt aus Werken von Arcelor-Mittal. In der STX-Werft wurden in einer ersten Phase Blöcke hergestellt. Erst Ende September 2015 begann in einem Trockendock der Zusammenbau der bis zu 600 Tonnen schweren Blöcke. „In nur zehn Monaten fertigten wir aus den Blöcken ein nahezu fertiges Schiff an, damit stellten wir in Saint-Nazaire einen neuen Rekord auf“, sagt Projektleiter Henri Doyer.

Rückblende. Am 24. März 2014, einem Montag, beginnt in Saint-Nazaire der Wettlauf gegen die Zeit. An diesem Tag wird der Vertrag für den Bau der MSC Meraviglia unterzeichnet. Von früher gebauten Kreuzfahrtschiffen unterscheidet sich dieses „Schiff der neuen Generation“ vor allem in einem Punkt: Statt 38 Meter wird die Meraviglia 43 Meter breit. Bei voller Auslastung können auf dem Schiff mehr als 5700 Menschen miteinander Urlaub machen.

Trotz dieser imposanten Passagierzahl ist die Meraviglia nur 315 Meter lang. Dazu muss man wissen, dass in vielen Häfen die Länge der Schiffe eher Probleme bereitet als die Zahl der Passagiere. Viele Anlegequais sind nur rund 330 Meter lang, längere Schiffe können nicht abgefertigt werden. Die Kürze der Quaimauern stellt Ingenieure und Schiffsbauer vor neue Herausforderungen.

ZEITRAFFER: SO ENTSTEHT AUS 300000 EINZELTEILEN EIN SCHIFF FÜR 5700 PASSAGIERE

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Am 3. September 2016 wurde die im Rohbau fertige Meraviglia in der Werft in ein neues Dock geschleppt. Dort arbeiten seitdem bis zu 2500 Menschen am Innenausbau des Schiffes.

Der Weg der Schiffskabinen

Schiffsbau ist höchste Präzisionsarbeit. Das zeigt sich auch am Beispiel der 2244 Kabinen, die es auf der Meraviglia geben wird. Die STX-Werft in Saint-Nazaire besitzt eine eigene Produktionsanlage für Schiffskabinen. Pro Stunde werden dort zwei gebrauchsfertige Kabinen – mitsamt Tapeten, Teppichböden, Betten, Schränken, Stühlen, Sofas, Spiegeln und Badezimmer – hergestellt. „Auf die Qualität der Kabinen legen unsere Kunden sehr viel Wert“, unterstreicht Projektleiter Henri Doyer. Dann werden die Kabinen zum Schiff gebracht und im Akkord eingebaut. „Auf der MSC Meraviglia schafften wir bis zu 120 Kabinen pro Woche.“

Die Kabinen werden in einem Werk in der Werft vorgefertigt.
Grosszügig: Am Heck des Schiffes entsteht eine Poollandschaft. Abends werden die Passagiere dort das Tanzbein schwingen.

Eine 96 Meter lange Promenade

Von den bisherigen MSC-Schiffen unterscheidet sich die Meraviglia nicht nur durch die Größe und die Zahl der Passagiere. Auch beim Design und bei der Innenarchitektur legten sich die Planer von MSC mächtig ins Zeug. An Bord wird es eine 96 Meter lange Promenade geben – mit Boutiquen, Geschäften, Restaurants und einer Decke, die durchgehend aus LED-Bildschirmen besteht. Auf der Meraviglia kommt auch die neue Kooperation von MSC mit dem „Cirque du soleil“ zum ersten Mal voll zum Tragen. Am Heck des Schiffes entsteht eine sogenannte „Carroussel Lounge“, in der Künstler des „Cirque du Soleil“ jeden Abend zwei Vorstellungen geben.

Schrauben, sägen, klemmen, schweissen - Handwerker haben in diesen Wochen die MSC Megaviglia fest im Griff. Besonders stolz sind Architekten und Eigentümer auf die 96 Meter lange Promenade im Bauch des neuen Schiffes.

Die Pfingstkreuzfahrt 2017

Zum 32. Mal organisiert Neptun Cruises aus Esch/Alzette dieses Jahr seine „Päischtcroisière“. Die Kreuzfahrt, die diese Form des Reisens in Luxemburg richtig populär machte, beginnt am 4. Juni in Le Havre. An Bord der brandneuen Meraviglia fahren die Kunden von Neptun Cruises nach Vigo, Lissabon, Barcelona, Marseille und nach Genua, von wo aus sie am 11. Juni die Rückreise nach Luxemburg antreten. Unterwegs verbringen sie auch zwei Erholungstage auf See.

Wie gewohnt wartet auf die Teilnehmer der Pfingstkreuzfahrt ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm – zum Teil mit Musikern und Künstlern aus Luxemburg, zum Teil mit Sängern aus den Nachbarländern. Mit an Bord der Meraviglia gehen unter anderem die Sängerinnen Corinne Hermes, Michelle und das Helene-Fischer-Double Victoria. Neptun Cruises bietet die Kreuzfahrt zu Preisen ab 1195 Euro in einer Innen- und ab 1695 Euro in einer Balkonkabine an. Für Kinder, Jugendliche und für Alleinreisende wurden Sonderpreise ausgehandelt. Im Angebot sind außerdem Familienkabinen.

Fotos: Fern Morbach, MSC - Videos: MSC

Created By
Fernand Morbach
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Credits:

Fern Morbach, MSC

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