Jagd auf Gamslosung Feldaufnahmen für Schalenwildprojekt im Karwendel gestartet

Der Startschuss fiel im Juni: Studierende und Mitarbeiter der Technischen Universität München (TUM) und der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) begaben sich auf die Suche nach den verdauten Hinterlassenschaften von Gams, Reh und Rotwild – und das alles für das LWF-Projekt Integrales Schalenwildmanagement im Bergwald. »Wir wollen wissen: Wie leben Gams-, Reh- und Rotwild? Wie groß sind die Populationen, wie sind diese aufgebaut und wie verteilen sich die Tiere in ihrem Lebensraum? «, sagte Alois Zollner – Leiter der Abteilung Biodiversität, Naturschutz und Jagd an der LWF über die Hintergründe zum Projekt.

Die Suche nach Gamslosung führt bis weit in die abgelegen Latschenfelder im Hochgebirge hinein. Man ist im Zweierteam unterwegs. Abgesehen von dem Partner sieht man bei der Arbeit den ganzen Tag lang keinen einzigen Menschen.
Durch die Aufnahmen im Gelände – bei denen mäandernd ein 200 m x 200 m Quadrat nacheinander abgesucht wird – taucht man intensiv in den Bergmischwald ein. Während an den Unterhängen an der Isar noch üppige krautige Vegetation die Sucherei erschwert, dominieren weiter oben weiche Grasmatten. Totholz, Moos- und Farnepiphyten auf knorrigen Bergahornen wechseln sich mit faszinierenden Ausblicken ab.
Morgens um 8:00 trifft sich das Aufnahmeteam und wird mit Karte für das Tagesgebiet, hunderten von Gefrierbeuteln für das Aufsammeln von Kot, GPS-Gerät und Kompass versorgt.

Um die flächige Aufnahme von über 5.000 ha in kurzer Zeit zu bewältigen, waren viele Kolleginnen und Kollegen der LWF sowie der TUM ins Karwendelgebirge gekommen. Möglichst gleichmäßig begangen Zweierteams täglich etwa 64 ha große Raster. Das Untersuchungsgebiet wurde von den Tallagen bis hin zu den Felsregionen über 2.000 m nach frischer Losung abgesucht. Diese wurde eingetütet, beschriftet und der Standort mit GPS vermerkt. Über 1.500 Proben kamen so in zweieinhalb Wochen zusammen. Die genetischen Analysen übernimmt das Labor seq-IT in Kaiserslautern. Mit Hilfe der gewonnen Daten lassen sich unter anderem die Populationsdichte, das Geschlechterverhältnis, aber auch die räumliche Verteilung der drei Schalenwildarten abschätzen.

Die Aufnahmemappe beinhaltet neben dem Protokoll und der Karte Hilfestellung zur Artunterscheidung der Proben sowie zum Frischegrad. Nur frische Proben können genetisch analysiert werden. Das bedeutet, dass man die meiste Losung links oder rechts liegen lässt. Hat man Glück, wird der Gefrierbeutel gezückt, beschriftet, auf links gedreht, beherzt zugegriffen, zugeknotet und eingetütet. Der Fundort wird zusätzlich per GPS-Punkt markiert. Wenn ein Individuum mehrmals als Genprobe auftaucht, kann so nachvollzogen werden wie es sich im Gelände bewegt.
Alois Zollner, Leiter der Abteilung Biodiversität, Naturschutz und Jagd an der LWF, erläutert Hintergründe zum Projekt und eröffnet den gemeinsamen Grillabend. Später müssen Chef, Projektleitung und Mitarbeiter wieder weiterarbeiten. Wer läuft morgen mit wem, welches in welches Aufnahmegebiet können wir welches Team schicken? Viele Dinge müssen für den nächsten Tag vorbereitet werden.
Die Zukunft im Bergwald?
Anspruchsvolles Gelände macht die Sache spannend. Für eine mögliche Rettung genügt ein Knopfdruck.
Auf dem Rückweg ins Tal. Die Füße schmerzen aber der Kopf ist voller faszinierender Eindrücke aus dem Lebensraum von Gams-, Reh- und Rotwild. In der Stofftüte lagert das weiche Gut. 43 Proben warten auf die Kühltruhe. Der Tag hat sich gelohnt. Hoffentlich sammelt uns der Bus bald auf.

Vielen Dank an alle Helferinnen und Helfer! Nur mit tatkräftiger Unterstützung Vieler kann die Aufnahme von 5000 ha in zweieinhalb Wochen gelingen.

Im Projektgebiet »Ruhpolding« folgen die Aufnahmen im Frühsommer 2018. Wir freuen uns schon auf den zweiten Durchgang!

weitere Informationen: Internet-Projektseite der LWF

Ende

Fotos: C. Josten, ZWFH

Credits:

C. Josten, ZWFH

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