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Zur Sendung: 75 Jahre Lawinenhunderettung

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DAS SCHWEIZER RADIO FERNSEHEN SRF WIDMET DEM LAWINENHUNDWESEN ZUM 75-JÄHRIGEN BESTEHEN EINEN SCHWERPUNKT. EINE REPORTAGE ÜBER DIE DREH- UND RETTUNGSARBEITEN IN DAVOS.

Der Himmel ist wolken- und nebelverhangen über dem Jakobs- und dem Jatzhorn in Davos. Zwischen den beiden Berggipfeln ist auf rund 2500 Metern über Meer das Übungsfeld ausgesteckt für die zentrale Kaderausbildung für Klassenlehrer in der Rettung mit Lawinenhunden. Zwölf Teilnehmer aus dem ganzen Schweizer Alpenraum sind mit ihren Hunden angereist zum zweitägigen Kurs. Eine Equipe von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat sich ebenfalls eingefunden auf dem Jakobshorn, wo Marcel Meier die Übungsteilnehmer im Bergrestaurant begrüsst. Meier ist seit 2014 Fachleiter Hund bei der Alpinen Rettung Schweiz (ARS) und hat den Kaderkurs organisiert.

Der Kursleiter schickt zu Beginn die Retter ohne ihre Hunde hinaus auf das ausgesteckte Schneefeld, um Höhlen zu graben, in denen sich die supponierten Lawinenopfer verstecken für die Rettungsübung. Ein Lawinenhundeführer jedoch bleibt zurück und wartet auf den Alarm. Der 42-jährige Matthias Schlatter, der in Davos wohnt und bei der Wasserversorgung arbeitet, ist etwas angespannt. «Es wird Adrenalin ausgeschüttet», beschreibt er den ersten Moment bei der Alarmierung. Dann laufe alles rasch nach Plan ab: Er müsse wissen, wo Ciabba, seine siebenjährige Belgische Schäferhündin, sei, schauen, ob die Skiausrüstung bereitstehe und wo der Lawinenniedergang erfolgt sei. Danach bewege er sich selbständig mit dem Hund zum Einsatzort oder nächstgelegenen Helikopterlandeplatz für den Transportflug. Bei der Rettungsübung in Davos kam noch eine Komponente hinzu: Eine SRF-Fernsehequipe begleitete die Retter. Denn zum 75-jährigen Bestehen der Rettung mit Lawinenhunden berichtet SRF in einer dreiteiligen Spezialsendung von «Schweiz aktuell» über die vierbeinigen Spürnasen und ihre Führer.

«Wir arbeiten mit möglichst wenig Kommandos»

Wenn der Hund einmal losgeschickt wurde mit dem Befehl «such!», gibt der Führer ihm möglichst wenig Anweisungen und lässt ihn arbeiten. Nur wenn der Schnee nass und schwer sei, sodass der Hund kaum vorwärtskomme, müsse er zusätzlich motiviert werden, erklärt Matthias Schlatter. Auch wenn der Suchhund nicht ganz bis an den Rand des Lawinenkegels laufe, müsse er mittels Handzeichen dirigiert werden. «In der Regel arbeiten wir jedoch mit möglichst wenig Kommandos», erläutert der Hundeführer. Er muss auch einschreiten, wenn der Hund bei der Suche an einem Schneeklumpen zu schlecken oder knabbern beginnt. Wenn nach einigen Suchläufen der Hund dann den Schwanz hebt und zielstrebig losgeht, sei das ein Zeichen dafür, dass er etwas gewittert habe, sagt Schlatter. So auch bei der Übung. Die Hündin benötigt zwar etwas Zeit, doch dann wittert sie den Geruch des Vergrabenen und zeigt das an. Sofort funkt Schlatter die Helfer an, um das «Opfer» aus dem Schnee zu befreien und Erste Hilfe zu leisten. Die TV-Kamera fängt dabei jede Bewegung der Retter ein.

SRF schaltet live nach Andermatt

Zielsetzung beim Ausbildungskurs in Davos war nach Auskunft von Kursleiter Meier, dass die Klassenlehrer die Einsatztaktik anlernen und umsetzen können im Ausbildungsmodul 2. Der Hund und sein Führer sollen zwei Personen blind auffinden können. Dafür werden in der Übung drei Löcher in den Schnee gegraben. Nach dem Auffinden der ersten Person begibt sich der zweite Figurant erst in das eine Loch und versteckt sich darauf im zweiten, was eine Erschwernis darstellt. Die Kaderübung diente zur Vorbereitung auf den Lawinenhundeführerkurs in Andermatt, von wo «Schweiz aktuell» in einer Live-Schaltung berichten wird. Bei der Übung in Davos ist laut Marcel Meier auch ein neues Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) getestet worden.

Die Hundeführer besprechen die Übung.
Marcel Meier kontrolliert, ob die Lawinensuchgeräte richtig eingestellt sind: Sie müssen auf Senden eingestellt sein.
Das Team bereitet den Übungsplatz vor.

Sicherheit steht immer an erster Stelle

Bei einem Ernstfall muss es schnell gehen. Deshalb fliegen Führer und Hund oft im Rettungshelikopter mit zum Unglücksort. Wenn er im Heli zum Einsatz fliege, «gehen mir schon etliche Gedanken durch den Kopf», betont der Hundeführer, der einige Kollegen hat, die freeriden. «Hat es vielleicht einen von ihnen erwischt?», frage er sich dann jeweils bange. Sobald er jedoch das Lawinenfeld erreiche, sei er voll darauf fokussiert. «Zuerst kommt die Sicherheit», meint Schlatter. Deshalb empfehle er dem Piloten auch mal, eine Zusatzschlaufe zu fliegen, um sicherzugehen, dass nichts mehr herunterkomme. Nach der Landung versuche er, möglichst ruhig zu bleiben, um das, was er so oft geübt habe, bei der Suche im Schnee umzusetzen, erläutert der Bündner.

Die Rega ist im Anflug, um das Bergungsteam abzusetzen.
Die Retter und SRF-Reporter Renato Barnetta verlassen den Heli.
Ciabba wälzt sich im Schnee, bevor die Arbeit losgeht.

Auf Umwegen Hündin Ciabba gefunden

Wie Matthias Schlatter erzählt, hat er mit seinem früheren Hund die Eintrittsprüfung nicht bestanden. Zu seiner jetzigen Gefährtin Ciabba ist er ebenfalls auf Umwegen gekommen. Der Hund, der für eine Massageschule angeschafft wurde, habe dort keine Minute stillsitzen können. Dieses Tier habe er in der Folge gegen seinen alten Hund eingetauscht. Am aufwendigsten sei die Zeit gewesen bis zum Bestehen des Eignungstests mit dem neuen Hund. Bis zum dritten Lebensjahr sollte dieser Test abgelegt werden, sonst lohne sich der ganze Aufwand nicht, sagt Schlatter. Die Ausbildung begann bei Ciabba mit der Suche nach Spielzeug, das versteckt wurde. Belgische Schäferhunde sprechen nach Auskunft von Schlatter gut darauf an, beim Labrador hingegen gehe es mehr übers Futter beim Anlernen. Dabei kommt der Mensch erst allmählich ins Spiel.

Kameramann Aurelio Galfetti bekommt wunderbare emotionale Momente vor die Linse.
Die Bindung zwischen Herr und Hund ist sehr eng.
Matthias und Ciabba in Aktion vor dem Auge der Kamera.

So läuft ein Rettungseinsatz mit Hund ab

Such! Mit diesem Befehl wird der Hund losgeschickt.
Ciabba gibt dem Hundeführer die Position des Verschütteten an.
Hund und Herr fangen an der angezeigten Stelle an zu graben.

Der Hund wird mit Spielzeug oder Fressen für die Suche angelernt

Beim Anlernen wird zuerst ein Loch in den Schnee gegraben, in das der Hundeführer steigt. Eine zweite Person hält den Hund, der zuschaut, wie sein «Herrchen» ins Loch steigt. Nach dem Loslassen rennt der Hund zum Meister, der sich freut, den Hund lobt und ihm ein Spielzeug oder etwas zu fressen gibt. In einem nächsten Schritt wird das Loch mit Schneeklötzen zugemacht, damit der Hund scharren muss. In der dritten Stufe des Aufbaus steigen zwei Personen ins Loch. Der «Fremde» belobigt den Hund und gibt ihm das Spielzeug/Fressen, während der Führer im Hintergrund bleibt. «Wenn das gut klappt, kommt der Tag X, an dem ich den Hund auf eine fremde Person losschicke», führt Schlatter aus. Habe der Hund einmal Witterung aufgenommen, komme der Führer mit der Sondierstange und mache Meldung. «In diesem Moment nehme ich den Hund weg und die Schaufel in die Hand», beschreibt Schlatter den Rettungseinsatz. Da im Ernstfall eine Belobigung für den Hund durch den Geretteten ausbleibe, sei es wichtig, dies kurz darauf an einer Übung nachzuholen. Effektiv ausrücken musste der Retter mit seinem Lawinenhund nur zweimal in der Saison 2016/17.

Lawinenhund als Familienmitglied und Begleiter bei der Arbeit

«Meine Frau ist auch schon mal etwas eifersüchtig geworden», merkt Matthias Schlatter zuhause in Davos lachend an auf die Frage nach der Beziehung zu seinem Hund. Die siebenjährige Ciabba war schon Teil der Familie, als vor gut zwei Jahren Sohn Lasse geboren wurde. Er sei sehr froh gewesen, dass der Hund als Nummer eins das Kind gut akzeptiert habe, sagt Schlatter und betont: «Jetzt habe ich zwei, die mich jeweils an der Haustüre begrüssen.»

Das Zuhause der Familie Schlatter mit Ehefrau Eva, Sohn Lasse und Ciabba, die den Hundeführer auch zur Arbeit begleitet.
Wie Marcel Meier zum Retter und Ausbildner wurde
Marcel Meier beaufsichtigt die Übung der Lawinenhundeführer.
Insgesamt fünf Hunde besitzt Fachleiter Marcel Meier, der in Einsiedeln wohnt und von Beruf Baumeister ist. Als solcher führte er bis 2016 einen Betrieb mit rund 100 Angestellten. Heute macht er Bauberatungen neben seiner Aktivität im Rettungswesen mit Hunden, die vor 30 Jahren begann. Auslöser dafür war ein einschneidendes Erlebnis: Seine Zwillinge seien viel zu früh zur Welt gekommen, erzählt Meier. Die untergewichtigen Säuglinge wurden mit dem Helikopter ins Kinderspital nach Zürich überführt. Das habe ihn dazu bewogen, die Ausbildung zum Lawinenhundeführer zu machen. «Ich wollte für diese Rettung etwas zurückgeben», begründet der 59-jährige Meier sein langjähriges Engagement.
Gruppenbild der Teilnehmer am Lawinenhundekurs mit den Medienleuten, die sie dabei begleiteten.

Impressum

Credits:

Nicole BOEKHAUS, Andy Bartholdi

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