VOM RHEIN Fotografien von Ben Mezoudj

"VOM RHEIN — NOCH DAZU. VOM RHEIN.
VON DER GROSSEN VÖLKERMÜHLE.
VON DER KELTER EUROPAS"

Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor — seit Christi Geburt.

Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie,
das war ein ernster Mensch,
der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet.

Und dann kam ein griechischer Arzt dazu,
oder ein keltischer Legionär,
ein Graubündner Landsknecht,
ein schwedischer Reiter,
ein Soldat Napoleons,
ein desertierter Kosak,
ein Schwarzwälder Flözer,
ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland,
ein Magyar, ein Pandur,
ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler,
ein böhmischer Musikant -

das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt und der der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald und — ach was, schau im Lexikon nach.

Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum?

Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt - wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen.

Vom Rhein - das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann — und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost“

Carl Zuckmayer - Des Teufels General

Heimat

Der Rhein mehr als ein Fluss. Er ist schillerndes Symbol, das mit Identitäten spielt. Wie kein anderer Fluss steht er für ein deutsches Gefühl. Von den Sagen, die sich um ihn ranken, über Kompositionen, Gedichte und Gemälde, zu denen er Künstler inspirierte. Uns allen vertraute Werke wie Robert Schumanns Rheinische Sinfonie, Franz Liszt Am Rhein, im schönen Strome oder Heinrich Heines Loreley erzählen davon.

Der Rhein hat typisch deutsches Kulturgut geprägt, auch in politisch fragwürdiger, national geprägter Richtung.

Der Rhein aber zugleich immer auch - und das ist das Spannende - ein Symbol interkultureller Verbindung, historisch und geographisch.

An seinen Ufern beheimateten und vermischten sich im Lauf der Geschichte Völker unterschiedlichster Herkunft.

Geographisch durchfließt er Länder und Landschaften und verbindet Menschen über Trennendes hinweg.

Die Fotografien bewegen in ihrer reduzierten Klarheit geradezu von selbst dazu, innezuhalten, Gedanken und Gefühle loszulassen. Wie in einer buddhistischen Meditation.

Wenn Sie den Zyklus von Rheinbildern betrachten, dann wird ihnen eine Qualität des konzentrierten Wahrnehmens entgegen scheinen.

Der Betrachter der Bilder wird in einen Prozess der Entschleunigung involviert.

Was sich in der Ruhe dieser Bilder entfaltet, ist eine Kraft, die aus der Tiefe kommt und in die eigene Tiefe führt.

Immer geht dieser Zugang zur Tiefe von der Oberfläche des Wassers aus, ihrer Veränderungen , ihrer Bewegtheit, ihrer Ruhe, ihrer Farbe.

Die Oberfläche ist Zeichen für die Tiefe des Augenblicks. Es ist immer alles da. Hier und Jetzt, in jedem Moment. Der ganze Reichtum des Lebens. Wir müssen ihn nur sehen können.

Es wäre schön, wenn Sie etwas von dieser Tiefe des Augenblicks für sich entdecken würden.

Texte:

  • Carl Zuckmayer
  • Beatrice Fermor

Fotos von Ben Mezoudj - Aus dem Buch "Vom Rhein", 2013, http://www.mezoudj.com/buch.html

Created By
Ben Mezoudj
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