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12 Monate mit Corona! Was nun? Markus Karzelek, Breslau, Polen

Der 11. März 2020 war der letzte normale Schultag unseres Sohnes Calvin. Danach folgte der erste Lockdown, Sommerferien, zwei Monate Unterricht unter strengen Auflagen … und der zweite Lockdown. Seit über einem Jahr bestimmt Corona unser Leben. Doch nicht nur privat, sondern natürlich auch das der Gemeinde.

Es heisst, dass Krisen immer Gefahren und Chancen beinhalten. Die zwei grössten Gefahren sind für mich die Entfremdung und der Zwiespalt untereinander.

Unser Gemeindeleben hat sich durch Corona stark verändert. Viele Treffen sind ausgefallen. Und auch wenn wir uns treffen konnten, sah alles anders aus: Statt einer Umarmung, nur ein Ellenbogengruss. Statt der üblichen ein, zwei Stunden beim Kaffee nur ein kurzes Gespräch nach dem Gottesdienst. Doch gerade durch diese herzliche Gemeinschaft stehen unsere Gemeinden. Für einige war diese Umstellung so radikal, dass sie nun ganz den Gottesdiensten fernbleiben.

Diese Veränderungen sind auch Auslöser für Zwiespalt innerhalb der Gemeinde. Bei kaum einem Thema in den letzten Jahren habe ich eine so starke Flügelbildung gesehen wie beim Thema Corona. Die einen bleiben aus Angst ganz weg oder vermeiden jeden unnötigen Kontakt. Die anderen halten alles für übertrieben oder gar eine Verschwörung der Pharmakonzerne. Zu Beginn waren Treffen nicht selten von lebendigen Diskussionen über das richtige Verhalten der Gemeinden begleitet.

Doch es ist nicht alles schlecht. Ich sehe drei positive Trends innerhalb der Gemeinden hier:

Sehnsucht nach Gemeinschaft

Nicht nur ich spüre, wie sehr sich viele Menschen nach herzlicher Gemeinschaft sehnen. Ich hoffe darum, dass wir – wenn’s so weit ist – die Gelegenheiten nutzen werden, um echte Gemeinschaft wieder aufleben zu lassen: nach den Gottesdiensten, bei den Jungschar- und Jugendtreffen oder in den Kleingruppen.

Kleingruppen wurden 2020 sehr gestärkt

Da Gemeinschaft mit der ganzen Gemeinde oft nicht möglich war, haben Kleingruppen an Gewicht gewonnen. Als überzeugter Kleingruppenleiter freut mich das. Denn Kleingruppen beugen Anonymität und Konsumismus in unseren Gemeinden vor.

Jungscharmitarbeiter lesen Bücher vor

Kreative Evangelisation

Kreative Evangelisation ist für mich wahrscheinlich der Gewinner der aktuellen Krise. Viele Gemeinden haben darum neue Wege gesucht, um ihre Nachbarn zu erreichen. So wurden Masken genäht und verschenkt, Einkäufe für ältere Mitmenschen getätigt, Online-Aktionen gestartet. Gerade in diesen Zeiten merken wir, wie wichtig es ist, dass wir zu den Menschen rausgehen und auf ihre Bedürfnisse eingehen, anstatt zu warten, dass sie zu uns kommen.

Credits:

Erstellt mit einem Bild von pedro_wroclaw - "old town the market wrocław"