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Über Stock und Wein Mit dem Wengerter durchs Jahr

Januar: Auch ein Rebstock braucht Erziehung

Rainer Bauers Weinstöcke und seine Hütte an der Limburg in Weilheim - Württembergs höchstem Weinberg

Unaufhörlich prasseln die Tropfen auf Rainer Bauers Krempenhut und seine dick gefütterte Regenjacke. „Das Wetter im Weinberg ist meistens nicht so optimal, wie der Weingärtner es gerne hätte“, sagt der Weilheimer Hobby-Wengerter und zückt seine Rebschere.

„Das Wetter im Weinberg ist meistens nicht so optimal, wie es der Weingärtner gerne hätte“

Wer einen Weinberg bewirtschaftet, hat das ganze Jahr über alle Hände voll zu tun: „Nach der Weinlese ist vor der Weinlese“, formuliert es Rainer Bauer. Sobald die Trauben abgeerntet sind und das Laub gefallen ist, gilt es, die Weinstöcke für den nächsten Jahrgang vorzubereiten: dieses Mal für den Jahrgang 2018. Ihm wird eine ganz besondere Ehre zuteil, denn er wird auch beim Stadtjubiläum 2019 ausgeschenkt. Gefeiert wird in Weilheim dessen erste urkundliche Erwähnung vor 1250 Jahren sowie 700 Jahre Stadtrechte. „Ich hoffe auf ein besonders gutes Weinjahr mit super Qualität und hohem Ertrag“, sagt Rainer Bauer.

Die Reben im Blick: Rainer Bauer

Der 64-Jährige ist Mitglied des Vereins der Weinbergbesitzer Weilheim und baut an den Hängen der Limburg, die offiziell als Württembergs höchster Weinberg gilt, auf 16 Ar Spätburgunder an. Dass in Weilheim Rotwein wächst, ist eine neuere Erscheinung. „Früher gab es hier vor allem Weißwein“, sagt Rainer Bauer. „Silvaner hat eine lange Tradition.“ Die ersten Spätburgunder-Stöcke setzte Rainer Bauer vor rund 20 Jahren gemeinsam mit seinem Schwiegervater, als der noch den Weinberg bewirtschaftete. 2010 übernahm Rainer Bauer und stellte komplett auf Spätburgunder um.

Rote Spätburgunder-Trauben werden in Weilheim erst seit 20 Jahren angebaut.

Aus eben jenen Trauben, die auch als Pinot Noir bekannt sind, wird der rote Bertoldwein gekeltert. Insgesamt fünf Weilheimer Weingärtner bauen die Edelrebe an. Die beiden Weilheimer Ortsweine – neben dem Rotwein gibt es auch noch einen weißen Silvaner – vermarktet die Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck seit rund zehn Jahren an. Beide sind mehrfach mit Preismünzen ausgezeichnet worden. In ihnen stecken ausschließlich Weilheimer Trauben - beste Voraussetzungen, um Aushängeschild der Zähringerstadt zu sein. Schließlich hat der Weinbau in Weilheim eine lange Tradition. Urkundlich erwäkhnt wurde er bereits vor rund 900 Jahren, als die Zähringer auf der Limburg residierten.

Preisgekrönt: Die Weilheimer Bertoldweine

Bewirtschaftet werden die Weinberge an der Limburg durchweg von Hobby-Weingärtnern. „Wir machen das meiste von Hand“, sagt Rainer Bauer. Wie viele Stunden er pro Jahr in seine Reben steckt, kann er nicht sagen. Fest steht aber: Es sind viele. Wo bei den Profis in anderen Weinbaugebieten im Winter zum ersten Mal schon die Maschine durchfährt und die Zweige kappt, greifen Rainer Bauer und seine Weilheimer Kollegen zur Rebschere. Mit dem Zurückschneiden der Weinstöcke im Dezember und Januar beginnt für sie das Weinjahr.

Jede Menge Handarbeit steckt im Weilheimer Wein.

Die Weinreben werden dabei so „erzogen“, dass sie etwa auf Hüfthöhe vom Stock aus waagrecht an den Drähten entlangwachsen. „Erziehung“ sagen Fachleute dazu, wenn sie den Wuchs der Reben durch verschiedene Maßnahmen in die gewünschte Richtung lenken.

Routiniert knipst Rainer Bauer einen Zweig nach dem anderen ab. Nur zwei oder drei Ruten, die direkt aus dem Stock herauswachsen, bleiben dran – die dritte dient der Sicherheit. „Nach den Erfahrungen mit dem Frost im letzen Jahr wird man vermehrt solche sogenannten Frost-Ruten stehen lassen, um im Ernstfall noch eine Reserve zu haben“, erläutert Rainer Bauer. Im März werden diese Bögen dann hinuntergebogen und an den Drähten befestigt.

„Nach den Erfahrungen im letzten Jahr wird man vermehrt so genannte Frostruten stehen lassen“

„Das Schneiden und Runterbinden ist sehr aufwendig und macht ungefähr ein Drittel der Arbeit im Weinberg aus“, sagt der Hobby-Wengerter. Während Profis dabei Unterstützung von Hilfskräften bekommen, sind die Weilheimer auf sich selbst gestellt. „Wir sind auch unsere eigenen Hilfskräfte“, sagt Bauer schmunzelnd.

„Eine Rebe wächst im Jahr bis zu drei Meter – da gibt es viel wegzuschneiden“, erläutert Rainer Bauer und wirft das Schnittgut direkt nach dem Abscheiden in einen Kübel. Später wird er daraus „Krähle“ binden, Holzbüschel, die zum Anfeuern benutzt werden können.

„Krähle“ können zum Anfeuern benutzt werden.

Den richtigen Schnitt hat der Weinbauer sich über viele Jahre angeeignet. Auch wenn er seinem Schwiegervater schon früher immer wieder zu Hand gegangen ist – als er dessen Weinberg übernahm, hieß es für ihn dennoch „Learning by doing“, also Lernen durch Tun. Fehler zeigen sich beim Wein oft erst am Ergebnis: „Hat man zu viel Grün drangelassen, gibt es zu wenig Oechsle“, nennt Rainer Bauer ein Beispiel.

Der richtige Schnitt hat auch Einfluss auf die Oechsle im Glas.

Über das Jahr folgen noch viele weitere Einsätze, die die Weingärtner zum Teil auch körperlich stark fordern. „Insbesondere das Spritzen mit Pflanzenschutzmittel und das Mähen sind Schwerstarbeit“, so Bauer.

„Spritzen und Mähen sind Schwerstarbeit“

Stresssituationen gilt es immer wieder auszuhalten, wenn das Wetter verrückt spielt: „Hagel und Gewitter bereiten uns die größten Sorgen“, sagt der Weinbauer. Wenn die Ernte dann einmal nicht so ausfällt wie erhofft, ist das für die Weilheimer Weingärtner angesichts all der Arbeit, die sie in ihr Hobby stecken, hart – allerdings längst nicht so sehr wie für die Profis. „Als Hobby-Wengerter leben wir ja nicht vom Weinbau“, so Bauer.

Über die Serie „Mit dem Wengerter durchs Jahr“

Ein Jahr lang begleitet der Teckbote den Weilheimer Hobby-Weingärtner Rainer Bauer bei seiner Arbeit – mit Block und Fotoapparat, Videokamera und Mikrofon. Parallel zur Veröffentlichung in der Zeitung werden online auf der Homepage www.teckbote.de Online-Reportagen mit weiteren Fotos und Videos erscheinen und den Weg von der Rebe bis zum fertigen Bertoldwein 2018 darstellen.

Rainer Bauer hat 2010 den Weinberg seines Schwiegervaters an der Limburg übernommen und ist Mitglied des Vereins der Weilheimer Weinbergbesitzer. Neben dem Weinbau bietet der 64-Jährige auch Weinproben und Veranstaltungen im Weinberg an. Er ist Fachberater für deutschen Wein und Assistent Sommelier. Auch in den Bereichen Wein und Gesundheit sowie Sensorik hat er sich fortgebildet.

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Created By
Bianca Lütz-Holoch (Text) und Carsten Riedl (Fotos und Videos) Lütz-Holoch
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