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Zuversicht in Zeiten der Hilflosigkeit Daniel Müller, Projektleiter HMK

„Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an Ihn in allen deinen Wegen, so wird Er dich recht führen.“ Sprüche 3,5-6
Täglich werde ich aus den Medien mit News konfrontiert, die mir zeigen, dass ich nur ganz wenige Sachen im Griff habe. Die Zahl der Covid-19 Infizierten und Todesopfer steigt, die Wirtschaft geht rasant bergab, Menschen und Institutionen kommen an ihre Grenzen, Trauer, Hilflosigkeit und Panik steigen exponentiell. Ich sehne mich nach einer Rückkehr zu einem Gefühl der Normalität. Wie gehe ich mit der Angst, Verzweiflung, Zorn, Trauer und Hilflosigkeit um, die wie ein Geierschwarm in meinen Gedanken Kreise ziehen? Durch meine Arbeit mit verfolgten Christen durfte ich über die Jahre viel von ihnen lernen (aber noch habe ich längst nicht alles umgesetzt!) und es zeigen sich für mich zwei Wege ab.

Der Weg der Kontrolle und Absicherung

Der erste Weg ist mir gut vertraut und repräsentiert meine natürliche Neigung. Es ist der Weg zur vermeintlichen Kontrolle und Absicherung. Wenn etwas mein Sicherheitsgefühl bedroht, suche ich nach mehr Informationen, um die Situation oder Bedrohung zu verstehen. Es nervt mich, wenn ich nicht genügend Informationen erhalte und ich den Eindruck habe, andere halten mich hin mit Informationen, die sie haben. Mein Ziel auf diesem Weg ist genau zu verstehen, damit ich entsprechend planen kann und so die Situation wieder in den Griff kriege. Ich fühle mich hingezogen zu Lösungen, die versprechen, wie ich die Kontrolle über meine finanzielle Zukunft, Berufsaussichten und Gesundheit gewinnen kann. Meine Sicherheit liegt also in meiner Fähigkeit, dem entsprechend zu verstehen und zu planen. Der perfekte Plan und die entsprechenden Schritte verheissen die Lösung. Nur ist es so, dass das Gefühl der Kontrolle nur vermeintlich ist und nur so lange hinhält, bis wieder eine Krise oder Bedrohung naht und ich wieder die Kontrolle über meine Zukunft verliere. So geht dieser Teufelskreis weiter. Unter dem Strich ist es so, dass ich meine Zukunft nicht ein für alle Mal absichern kann. Ich lebe in einer dauernden Unsicherheit vor dem, was kommen mag.

Der Weg der freudigen Abhängigkeit

Der zweite Weg wird mir immer wieder von verfolgten Christen vorgelebt. Not, Leid und Verfolgung gehören zu ihrem Alltag und sie versuchen erst gar nicht (mehr), sich ihre Zukunft abzusichern. Stattdessen übergeben sie sich der Fürsorge Gottes. Sie vertrauen darauf, dass Gott sie liebt und mit ihnen und für sie ist. Sie leben in einer freudigen Abhängigkeit von ihm. Als Antwort auf ihre Abhängigkeit, offenbart sich Gott ihnen inmitten ihrer schwierigen Umstände. Ihre Hoffnung ist somit in Gott verwurzelt und nicht in ihrer eigenen Fähigkeit, einen guten Plan zu entwerfen. Stattdessen schauen sie, wo Gott am Wirken ist und zu was er sie einlädt. Das wiederum gibt ihnen eine Orientierung und schenkt ihnen Mut und Zuversicht für ihr Handeln.

An der Wegkreuzung der Gnade

Wie erwähnt, durfte ich bis anhin viel von verfolgten Geschwistern lernen, aber es mangelt noch immer an der Umsetzung. Die beiden Wege sind für mich klar verständlich und ich bin mir sicher, dass ich auch am heutigen Tag den Weg der freudigen Abhängigkeit begehen will. Aber auch das kriege ich nicht aus eigener Kraft hin. Wenn es nur auf mich ankommt, ist es, als wollte man sich an den eigenen Schnürsenkeln hochheben! Ich brauche die Gnade Gottes. Ich bitte Ihn, mir zu helfen, dass ich mein Vertrauen voll auf Seine Person abstütze und nicht auf meine Fähigkeit, den perfekten Plan auszuarbeiten. Ich bitte um Gnade, dass ich Einblicke in Sein Wirken erhasche und wozu Er mich einlädt mitzumachen. Anstatt ständige Unsicherheit erlebe ich so (und sehne mich nach mehr!) Freude, Mut und Zuversicht. Er ist mit mir und für mich. Ich bin nicht allein, egal was noch kommen mag. Gottes Wirken in meinem Alltag sind Anzeichen der Ewigkeit, die bereits im Hintergrund der Gegenwart läuft. Mit Gottes Gnade entscheide ich mich, Ihm auch am heutigen Tag mit allen Herausforderungen zu vertrauen, und erlebe so die Zuversicht, nach der ich mich immer wieder sehne.

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